Warum ich in meinen Kursen keine Bilder einfach nachmalen lasse
KREATIV SEIN
Warum ich in meinen Kursen keine Bilder einfach nachmalen lasse
Wenn ich in meinen Kursen arbeite, geht es mir nicht darum, dass alle dieselbe Vorlage möglichst genau nacharbeiten. Eine Vorlage kann hilfreich sein, um etwas besser zu verstehen oder einen ersten Zugang zu finden. Aber sie soll nicht bestimmen, was am Ende auf deiner Leinwand oder auf deinem Papier entsteht.
Techniken sind wichtig, weil sie dir Sicherheit geben und dir Möglichkeiten zeigen. Du lernst, wie Farben wirken, wie Kontraste Spannung erzeugen oder wie Formen und Strukturen eine Bildfläche verändern können. Für mich wird es aber genau dort spannend, wo du das Gelernte nicht einfach nur anwendest, sondern beginnst, daraus deinen eigenen Weg zu entwickeln.
Elisabeth Suter · KUNST and MORE
„Ausbrechen“, Elisabeth Suter, 2021
„Kreatives Gestalten ohne Druck und Wertung! Entdecken, zulassen, das was erscheinen will!“
So hat eine Teilnehmerin einen meiner Kurse beschrieben. Das hat mich sehr gefreut, weil darin viel von dem steckt, was mir beim Unterrichten wichtig ist.
Das Gelernte ist erst der Anfang
Wenn du die Grundlagen kennst, kannst du anfangen, bewusster zu entscheiden: Welche Farbe braucht mein Bild? Wo darf etwas ruhig bleiben, wo möchte ich Spannung? Welche Spur möchte ich stehen lassen – und was darf wieder verschwinden?
Genau an diesem Punkt wird es für mich interessant. Zwei Menschen können mit denselben Werkzeugen arbeiten und trotzdem entstehen völlig unterschiedliche Bilder. Nicht, weil einer es „richtiger“ macht, sondern weil jeder anders sieht und anders entscheidet.
Mit der Zeit kommt Sicherheit und du weißt selbst, was dein Werk braucht und was nicht.
„Ausbrechen“, Elisabeth Suter, 2021. Der weiße Rahmen markiert den vergrößerten Ausschnitt.
Detail aus dem weiß markierten Bereich.
Beim Acrylmalen muss nicht bei allen dasselbe entstehen
In meinem Acrylkurs für Einsteiger lernen wir zuerst die Grundlagen kennen. Wir arbeiten mit Acrylfarben, Pinseln und unterschiedlichen Werkzeugen. Wir schauen, wie Farben gemischt werden, wie Kontraste Spannung erzeugen und wie Strukturen und verschiedene Farbaufträge die Wirkung eines Bildes verändern.
Ich möchte dir damit zeigen, was möglich ist. Aber ich gebe kein Motiv vor, das anschließend alle möglichst genau kopieren sollen. Du darfst ausprobieren, verändern, wieder wegnehmen und neu entscheiden.
Dass dabei nicht bei allen dasselbe entsteht, gefällt mir gerade daran. Wir starten mit denselben Grundlagen – aber die Bilder dürfen sich ganz unterschiedlich entwickeln.
„Ich möchte nicht bestimmen, was am Ende auf deinem Papier oder deiner Leinwand entstehen soll.“
Das ist für mich ein wichtiger Unterschied zwischen Vormachen und Begleiten.
Beim Zeichnen ist genaues Hinsehen wichtig
Beim Zeichnen ist es für mich etwas anders. Eine Vorlage kann sehr hilfreich sein, weil du an ihr Proportionen, Perspektive, Licht und Schatten studieren kannst. Genaues Hinsehen gehört dazu.
Auch in meinem Zeichenlehrgang „Die Pfade des Zeichenmeisters“ geht es aber nicht darum, jedes Detail exakt zu kopieren. Du lernst, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, Formen zu vereinfachen und eine eigene Stimmung entstehen zu lassen.
Für mich heißt Zeichnen deshalb auch: zuerst sehen lernen – und aus dem Gesehenen mit der Zeit eine eigene zeichnerische Interpretation entwickeln.
Die eigene Handschrift entsteht beim Tun
Die eigene Handschrift lässt sich nicht vorgeben. Ich kann dir zeigen, worauf du achten kannst, und dir Rückmeldung geben. Finden musst du sie beim Tun.
Dazu gehört für mich auch, etwas zu verändern, zu verwerfen oder neu anzusetzen. Nicht jeder Versuch muss sofort zu einem fertigen Bild führen. Manches zeigt dir einfach, was du beim nächsten Mal anders machen möchtest.
Wenn du nur versuchst, eine Vorlage möglichst genau zu treffen, schaust du vor allem darauf, ob etwas „richtig“ ist. Wenn du verstehst, was Farbe, Linie, Form und Material können, entsteht mehr Raum für deine eigenen Entscheidungen. Genau dieser Schritt interessiert mich.
Was ich dir in meinen Kursen mitgeben möchte
Für mich gehört zu einem guten Kurs, dass neben einem fertigen Bild auch etwas bleibt, das dich beim weiteren Arbeiten begleitet: ein besseres Gefühl für Farbe, ein genaueres Auge für Proportionen, mehr Sicherheit im Umgang mit dem Material und der Mut, deinen eigenen Ideen zu folgen.
Ich kann dir Werkzeuge und Möglichkeiten zeigen. Was daraus entsteht, soll nicht meine Lösung wiederholen, sondern zu dir passen.
Wenn du später vor einem leeren Blatt oder einer Leinwand stehst und nicht sofort nach einer fertigen Antwort suchst, dann ist für mich schon viel erreicht.
Wenn du das ausprobieren möchtest: Im Acrylkurs für Einsteiger kannst du mit Farbe, Werkzeugen und Strukturen arbeiten. Wenn du lieber mit Linie, Form, Proportion und Licht beginnst, findest du im Zeichenlehrgang den passenden Einstieg.
Elisabeth Suter
Visual Storytelling Artist
Ich bin Künstlerin und schreibe in KUNST and MORE über meine Bilder, meine Arbeit im Atelier und darüber, was mich an Kunst, Farbe und kreativem Arbeiten beschäftigt.
Meine Kunst macht Gefühle sichtbar.
Deine Meinung interessiert mich
Wie siehst du das? Arbeitest du gern mit Vorlagen oder lieber frei? Schreib mir gern unten in die Kommentare. Und wenn du eine Frage oder eine Idee für einen nächsten Beitrag hast, freue ich mich ebenfalls darüber.